Juni/Juli

Tja, wo soll ich anfangen..ich verliere langsam den Überblick wo wir überall waren in den letzten Wochen. Fakt ist wir waren davon nicht sehr viele Tage, ich schätze mal 5-7 insgesamt zu Hause..

Eigentlich begann alles noch Anfang Mai. Ganz nach Plan gingen wir für 16 Tage in die Epiklinik..nach durchgestandenen Serien von Anfällen dort, brachte eine eine Medikamentenänderung für ganze 7 Tage (Juhu) ein wenig Ruhe rein. Leider durften wir aber dort schon, einen Tag vor Abreise nach Hause mit der Ambulanz erstmal Zwischenstation im Kispi machen.

Im Kispi angelant ging die Nacht gut, um darauf nach Hause zu fahren, aber dennoch 24h später wieder im Kispi Notfall zu landen..

Da wir schon mal da waren und Nikolajs Zustand eher schlechter als besser wurde, entschieden wir kurzfristig dass es nun Zeit für einen Port ist. Ein Port ist ein Kästchen unter der Haut unterm Schulterblatt. Von diesem Kästchen geht ein Schläuchlein direkt zum Herz, wo man schnell eine Nadel einstechen kann um etwas direkt einzuspritzen, so dass die Notfallmedikamente sofort den Weg dahin finden, wo wir sie benötigen. Die Entscheidung dafür stand schon länger im Raum, da er mittlerweile Arme und Beine wie ein Junkie hat von der vielen Stecherei.

Also wurde operiert. Die ganz OP ging statt 1,5 Stunden 3. Das Kispi kann nun vor dem OPSaal eine ziemlich tiefe Lauffurche ihr Eigen nennen. Nach 4h hatte ich endlich meinen Bär zurück. Schon fast wieder ganz glücklich traf uns die erst Hiobsbotschaft. Der Schlauch vom Port liege zu nah am Herz. Man müsse das alles nochmal genau anschauen und allenfalls nochmal operieren..aha, na, wenns weiter nix ist..

Nach einer schlaflosen Nacht lies ich mich tagsdrauf überzeugen, es ginge schon mit der Länge des Schlauchs..sie würden abraten, die geplanten Ferien die zwei Wochen später waren deswegen abzusagen. Es sei alles im grünen Bereich..ok Na-Eve (damals war ich naiv, heute weiss ich traue niemand über den Weg ausser dir selbst) schloss ich mit dem Thema ab und hoffte einfach auf das Beste. Der Rest der Familie traute natürlich mir.. Das einzig Gute an der ganzen OP war schlussendlich dass ihm die Vollnarkose ein paar anfallsfreie Tage bescherte. Also Wunde verheilen lassen und Heim war der Plan..

Das war auch so und ging auch ausser ein paar Anfällen hier und da ganz gut. Die Ferien standen vor der Tür und warteten nur noch darauf begonnen zu werden. Was zwei Nächte zuvor erst noch schlecht aussah, aber dann doch noch klappte. Wir starteten unsere Reise 24h nach einer Anfallsserie, gut gelaunt und voller Tatendrang, um endlich unsere wohlverdienten Ferien in Dänemark anzutreten.

Die Reise war wunderbar, ging reibungslos und war ein tolles Erlebnis, da Nikolaj und Kalle mit mir im Flieger von Zürich nach Hamburg flogen (Kalle mit dabei im Passagierraum natürlich) und Papa die Nacht davor mit dem Autoverladezug von Lörrach nach Hamburg fuhr, um zeitgleich mit uns am nächsten Tag anzukommen. Etwas müde aber glücklich traten wir unseren Weg nach Dänemark an wo unsere Familie schon auf uns wartete..

Das Glück währte nicht lang und to make a long story short: wir landeten 48h nach Ankunft in Dänemark im Notfall in Kinderspital Odense, welches wir 15 Tage fast ununterbrochen bewohnten..um überhaupt heimzukommen wurde Nikolaj so mit Medis vollgepumpt dass wir zumindest das Spital noch für drei Ferientage verlassen konnten. An den letzten zwei Tagen ging es wieder los und wir trauten gar niemand mehr sagen was überhaupt abgeht weil es sich stündlich änderte und wir telefonierten in dieser Zeit bereits öfters mit der REGA, sagten aber wieder ab weil wir immer wieder dachten, dass wir es auch so heim schaffen..

Quintessenz vom Ganzen war dass wir Nikolaj einfach das Maximum an Medis gaben, damit wir einfach einfach schnell heimkonnten. Also Fahrt nach Hamburg, voll guter Laune und Spass im Auto, kamen wir Nikolaj, Kalle und ich wieder am Flughafen an um den 20.00 Flug nach Zürich zu bekommen. Papa fuhr dann weiter zum Autoverladezug. Tiptop alles im Griff, der LilaLauneBär im Flughafenfieber, kaufte ich uns dreien noch eine St. Pauli Mütze als Erinnerung..Ausruf für unseren Flug, schlendere ich mit Nikolaj an der Hand zu unserem Wagen wo Kalle schon wartete und fiepste..ich sag noch: ja Kalle, du willst auch endlich heim, gel? Setze Nikolaj in den Wagen um unsere Boardkarten aus der Tasche zu holen und traue meinen Augen nicht, als Nikolaj voll anfing zu krampfen..als ich nach 10 Minuten endllich alles wieder unter Kontrolle hatte und mein Kind total abgeschossen im Wagen und am Monitor hing, schaute ich in viele viele erschreckte Augen der anderen Passagiere und hörte aus dem Mund der Boarding Kontrolle dass wir nicht mitkönnen..

wie nicht mit??? wie sie das meine?? ob ich erst den nächsten Flug nehmen kann?....nein, wir dürfen gar nicht mehr mit...auch nicht morgen oder übermorgen..

ich kam mir vor wie in einem schlechten Film oder der versteckten Kamera..ich allein in Hamburg, mit dem bewusstlosen Kind und dem Hund, nur mit den paar Sachen die wir am Leib trugen..Auch Papa stand völlig unter Schock also ich ihm berichtete dass wir nicht wegkamen. Es muss Horror für ihn gewesen sein, im Zug festzusitzen und nicht zu wissen was bei uns abgeht, geschweige denn helfen zu können..Erstmal wurden wir dann weggebracht von der Sanität die dann die Ambulanz rief für das nächste Kinderspital..ich, ok einfach erstmal ruhig bleiben..aber wohin mit Kalle? der durfte nicht mit in der Ambulanz fahren.. ich solle das nächste Tierheim anfragen für einen Platz..mhm ja klar..ich Taxi gerufen, Kalle hinten reinbugsiert und dem Fahrer gesagt er solle uns folgen..was er auch tat. bis zum nächsten Spital..dort angekommen gab es keinen Platz auf der Intensivstation, also wieder verlegen in ein neues Spital..ich wieder Taxi, Kalle machte Sightseeing in Hamburg hinter unserem Rettungswagen her und kostete uns eine Jahresfutterration an diesem Abend...aber alles besser als dass er irgendwo hätte hin müssen. Das kam für uns nicht in Frage..

Endlich angekommen in Altona kam Nikolaj dann auf Intesiv. Kalle kam gegenüber in ein Hotel wo sie wegen unserer Situation alle ihre Augen zudrückten. Alle zwei Stunden ging ich mit ihm eine Runde drehen. Verwöhnt mit Putenwürstchen und einem weichen Platz im Doppelbett war ihm die Sache nicht ganz unangenehm..;-)

In diesen 24h schloss ich mal ganz kurz ab. Nikolaj krampfte unaufhörlich und lag nur noch in diesem viel zu grossen Bett mit viel zu vielen Schläuchen und piepsenden Monitoren und seine Haut und seine Schleimhaut war einfach grau. Ich dachte, dass so ein toter Mensch aussehen müsse. Ich habe noch nie einen gesehen. Ich war völlig paralysiert und konnte mich kaum noch bewegen. Auch zu Hause bangten alle mit uns mit und doch konnten wir nichts tun ausser zu beten. Irgendwann wurde er an einen Dormicum Dauertropf gehängt und die Anfälle hörten nach dem 26. endlich auf..um ehrlich zu sein rechnete ich nicht damit dass noch irgendwas von seinen grauen Zellen funktionierte, doch ca 24h später öffnete er endlich die Augen, bewegte sein Gesicht und war endlich wieder zurück bei uns..step by step kamen ganz langsam die Funktionen und die Kontrolle über seinen Körper zurück..und bald darauf verlangte er nach Salamibrot..ihr könnt euch vorstellen wieviel Tränen der Freude und Salamischeiben ich anschleppte..

Jetzt oder nie hiess es die REGA einzuschalten, die sofort alles aber auch alles in Bewegung setzten um uns zu holen. Ja, es war sogar so dass einer der Ärzte auf seinen freien Tag verzichtete um uns endllich heim zu holen. Als wir schweizer Boden unter den Füssen hatten wäre ich am liebsten an der Crew hochgesprungen und hätte alle abgeknutscht. ich habe die leichtere Version genommen, aber ich glaube sie haben ganz bestimmt gemerkt was ich meine....Kalle wurde direkt von seinem lieben Gotti abholt und nach Hause gebracht.

Von der REGA ging es direkt ins Kispi mit der Ambulanz auf Intensiv..eigentlich ja super, aber kaum denkt man man habe es geschafft, kam der nächste Streich..der Port.Ein paar Tage später, also ein Tag vor dem Heimgehen gaben die Chirurgen zu dass der Port doch mehr Komplikationen mache als er darf..Ergo nochmal operieren. Das war letzte Woche. Im Hinterkopf die Vollnarkose und ein wenig Anfallfreie Zeit schien ich das Ganze wegstecken zu können.

Leider hielt es nur 5 Tage und Nikolaj krampfte Samstag und Sonntag insgesamt 17mal..am Montag drauf hätten wir eigentlich in die Epiklinik sollen für eine neue Medikamenteneinstellung (da diese ja offensichtlich nicht die richtige war..) naja, leider ging auch das schief und nun hocken wir noch immer im Kispi in Zürich und hoffen und hoffen und hoffen dass dieser Alptraum ein Ende nimmt..

Nikolaj hatte im gesamten Juni 117 Grosse Anfälle und tausender Kleine..wir müssen unbedingt unbedingt die Situation wieder unter Kontrolle bringen..

Während dem Schreiben empfinde ich meine Worte als hohl und leer. Es sind Abrisse aus unseren letzten Wochen, die ich gar nicht mehr im Detail beschreiben kann und habe auch vieles ausgelassen weil so unheimlich viel passsiert ist, dass ich ganze Seiten füllen könnte damit, aber ich habe keinen Dampf mehr.. wir sind alle am Ende unserer Kraft und es geht uns nur noch ums irgendwie Überleben jetzt. im philosophischen wie auch medizinischen Sinne..es tut mir leid nichts besseres berichten zu können und ich habe mir auch vorgenommen, dass ich erst wieder was schreibe wenn was ganz geiles passiert..wir persönlcih hoffen dass dieser Tag Nikolajs Kindsgistart wird am 17.8...nichts aber auch gar nichts anderes ist derzeit unser Ziel, dass wir unseren Bär zu diesem Datum wieder zurückhaben bei 10-15 Anfällen im Monat, mit denen wir im letzten Quartal kaum leben konnten, über die wir heute glücklich wären..

Heute am 8.7. hat es endich etwas abgekühlt und wir waren das erste Mal seit einer Woche wieder mal an der frischen Luft...es war so schön

 ich erlaube mir ein paar Bilder aus den Wochen zu zeigen als es ihm gIMG 1387ut ging, hab kein Bock mehr auf die Spitalbilder grad..IMG 3346

 

 

 

 

 

 

März/April/Mai

Zugegeben, ich habe mich gedrückt wieder neu zu berichten...immer habe ich auf einen besseren Moment gewartet. Einen Moment wo ich wieder das Positive dem Negativen überwiegen lassen kann und euch aufatmend berichten kann, dass wir eine strube Zeit hatten und jetzt alles wieder gut ist.

Leider reisst es nicht ab. Seit Dezember ist bei uns der Wurm, die Schlange, Loch-Ness drin und beisst mit einer nicht enden wollenenden Wut um sich. Nikolaj ist mindesten einmal pro Woche auf dem Notfall. 10-15 Anfälle pro Woche sind leider keine Seltenheit sondern bald Gewohnheit geworden. Es ist eine schwere Zeit für ihn.

Eine neue Anfallsform ist eingeleutet seit dato und diese äussert sich in seriellen Anfällen während dem Schlaf. Etwa alle 15-60 Minuten krampft und kämpft er. Sein kleines Körperlein wird durchgeschüttelt und unsere alle Seelen auch. Wir stopfen an Notfallmedis rein was geht, probieren die fixen Medis zu optimieren, aber Niks Körper findet keine Ruhe.

Die Ruhe selbst und auch meine Kraft ist Kalle. Er ist souverän wie nie, zeigt an wie nie zuvor, teils schon Stunden bevor wir überhaupt was ahnen drückt er ihn penetrant auf den Boden. Nehme ich Nikolaj dann auf den Arm fangen auch schon bald die ersten kleinen Anfälle an. Ein Zeichen das die Anfallsbereitschaft am steigen ist. Kalle hilft wo es geht und macht einen perfekten Job. Ich/Wir sind sehr sehr stolz auf ihn und auch auf uns dass wir ihn gemeinsam so toll hinbekommen haben unseren Dicken.

Jede Nacht wenn er einschläft liege ich hellwach im Bett und bete dass es nicht losgeht. Wenn es nach einer Stunde noch nicht losgeht, haben wir gute Chancen dass die Nacht ruhig bleibt. Geht es los, ist an Schlaf nicht mehr zu denken für die nächsten 24 bis 48 Stunden.

Seit vorgestern sind wir wieder im Kinderspital Zürich. Die vielen Anfälle fordern ihren Tribut. Wir konnten Nikolaj dank unseres Überwachungssystems zu Hause (Pulsoxymeter) aus einem erneuten SUDEP Ereignis holen. SUDEP ist wie plötzlicher Kindstot. Kommt ganz leise und gefährlich und schaltet nach und nach das System aus. Ohne Monitor hätten wir keine Chance das zu erkennen und die Zahlen der verstorbenen Dravets an SUDEP oder einem Status epilepticus jagt und eine ständige Angst bis tief in die Knochen.  

Mit einem Wort: DU HAST ANGST (Zitat aus Asterix und die Winkiniger) und ja ich gestehe, ich habe eine Scheissangst.....

OK, aaaaaaaaber um mich schnell wieder abzulenken und wieder einen unverschleierten Blick zu bekommen, möchte ich auch erzählen, dass wir wenn wir nicht im Spital sind, jede einzelen Minute dieses Lebens, die volle Dosis Glück und Spass herauspressen wie aus einer Zitrone. Wir unternehmen total viel (im Rahmen des Möglichen, wegen Hitze etc) und leben (leider ganz ohne die Floskel als Floskel zu sehen) jeden Tag als sei es der Letzte...

Ich berichte total gerne von den schönen Momenten und Stunden die wir haben und will das auch weiterhin so tun, denn ich halte mich am Guten fest und hoffe auch ein Wunder, dennoch habe ich heute leider kein Foto für euch..(GNTM lässt grüssen), denn ich sitze hier auf dem Spitalbett, beobachte meinen Kleinen und starre unablässig auf den Monitor und sehe nichts mehr vor lauter Tränen..

Bitte drückt uns alle Daumen, dass bald bald bald Ruhe für den kleinen Kerl ist!! Er ist so ein Sonnenschein, bekommt von alle dem gar nichts mit, aber die Angst um ihn treibt uns fast in den Wahnsinn...

Januar/Februar 2015

 

Den Januar/Februar schliessen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab. Und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Während Freunde und Familie in der Grippe- Welle schwommen, blieben wir und noch wichtiger Nikolaj davon verschont. Durch "zu Hause bleiben", "ständig alles desinfeszieren" und "grosse Menschenmengen meiden" kamen wir mit einem blauen Auge davon.

Ganze 19 Tage war Nikolaj anfallfrei, bis er sich einen minikleinen, unscheinbaren Schnupfen holte, der alles über den Haufen warf. Die Zeit bis dahin genossen wir allerdings in vollen Zügen, ja wurden sogar schon fast ein bisschen "leicht" sinnig, im wahrsten Sinne. wir waren viel draussen, haben Schneemänner und Frauen gebaut und durften einfach mal Sein, ohne Kompromisse.

Ende Januar kam dann die Wende. Eine Art Pechsträhne, wo eine blöde Sache die nächste verfolgte.

Angefangen hat es damit, dass unsere Schule im Ort, welche uns seit letzten Herbstes eine Integration versprach doch bemerkt hat, dass Dravet eher weniger mit Epilepsie zu tun hat, als mit einer Sammelerkrankung verschiedenster Faktoren. Diese Faktoren sind für eine Integration nun doch nicht vereinbar gewesen in der Schulpolitik und so wurde kurzerhand entschieden dass wir für Nikolaj was Neues suchen müssen. Dass die Anmeldefrist der 13. März ist, schien man komplett zu übergehen. So überliess man uns kurzerhand unserem Schicksal, welches wir mehr oder weniger unbeschadet überstanden haben mit Hilfe unserer Heilpädagogin und der Schulpsychologin. Wir warten gespannt auf Ende März ob Nikolaj den Kindergartenplatz an der HPS gleich um die Ecke bekommt, denn einen anderen Kindergarten gibt es nicht, wo er hin kann. Liegt es am Weg, oder an den Gegebenheiten des Schulgebäudes, es sind einige Dinge auf die wir achten müssen und niemand in dieser kurzen Zeit nun aus dem Ärmel schütteln kann.

Nikolaj hatte er ein paar Tage zuvor zwei Sturzanfälle, welchen wir nur noch mit einem Helm entgegenwirken konnte, dann er so massiv auf den Kopf knallte, dass wir deswegen auch einmal ins Kispi musste. Dennoch durften wir nach ein paar Stunden heim und harrten der Dinge die da über unsere Köpfe entschieden wurden.

Nach dieser Hiobsbotschaft arteten die Anfälle komplett aus. Natürlich gibt es keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen Anfällen und der Anspannung der Eltern, dennoch wage ich zu behaupten, dass dieser zusätzliche Stress und die offenen Fragen den Grossteil meiner Energie gesaugt habe, welche ich brauche um den Kopf über Wasser zu halten. Und leider ist es so, dass wir beobachten dass Nikolaj vermehrt krampft wenn es uns allen nicht gut geht. In dieser Situation natürlich ein Teufelskreis.

Wie dem auch sei, Nikolaj bekam serielle Anfälle. Das bedeutet, dass viele Anfälle hintereinander kommen und in seinem Falle nur mit Medikamenten unterbrochen werden konnte. Nach den ersten drei Anfällen war Kalle nämlich fix und fertig und völlig hilflos mit der Situation überfordert. Da es uns um die Gesunderhaltung aller unserer Familienmitglieder geht, haben wir diese Last, nichts für Nikolaj tun zu können, von Kalles Rücken genommen und Nikolaj selber medizinisch versogt, um wenigstens den Stresspegel des Hundes niedrig zu halten.

Bedeutet hat dies aber dass Nikolaj unglaublich viele Medikamente gebraucht hat um alle Anfälle zu stoppen, was uns schlussendlich den Gang in Spital bescherte. Dort wurde Nikolaj aufgrund seines Zustandes erst gar nicht aufs Zimmer verlegt, sondern kam direkt auf die Intensivstation.

Fünf Tage später durften wir nach Hause, wo wir zwei Tage Zeit hatten um uns auf die nächste Anfallsserie vorzubereiten, die darauf folgte. Wieder ein Bangen und unzählige Stunden der Angst. Mit vielen Medikamenten brachten wir auch das wieder auf die Reihe.

Allerdings setzte der Stress uns allen extrem zu. Denn genau zu dieser Zeit zählten wir bereits sieben Dravet-Kinder die ihren Anfällen erlegen sind, und dies nur in dieser Wintersaison. Meine Nerven lagen/liegen blank. Eine Panikattacke jagte die andere und die Situation spitzte sich immer mehr zu. Auch Kalle ging es in dieser Zeit immer schlechter und schlechter weil sein Schützling so krank war. Wir alle rannten geradewegs in ein Burnout.

Nach weiteren drei Tagen Pause in denen wir immer noch diesen kleinen fiesen Schnupfen in Verdacht hatten, ging das Ganze wieder los.. ein Anfall am anderen. Anfall-Erschöpfungsschlaf-Anfall-Erschöpfungsschlaf-Anfall-Erschöpfungsschlaf usw..32 Anfälle hatte Nikolaj im Februar..So viele wie noch nie! Wir alle waren mächtig durch den Wind..

Die Rettung (zumindest für unsere Hoffnung und unsere Nerven) war, dass beim letzten Besuch im Kipsi, welcher auf die nächste Serie folgte, endlich ein möglichen Übeltäter gefunden wurde. Nikolaj hat eine Nierenbeckenentzündung ohne Fieber und ohne aussagekräftige Parameter im Blut. Nach einer Katheterisierung (autsch) kam aber ein ziemlich fetter Harnwegsinfekt ans Tageslicht, auf welchen Nikolaj nie mit Schmerzen reagierte, weil er durch die vielen Medikamente praktisch kein Schmerzempfinden mehr hat.

Also, Antibiotika rein und nach ein paar Tagen wieder heim..

Unterdessen haben wir (der Papa über Nacht, das Gotti den Tag durch und Nikolaj und Mama, an den Tagen wo wir daheim waren) unseren kleinen Kalle gehegt und gepflegt und ihm jegliche Verantwortung abgenommen, und ihn einfach nur bespielt, damit er einfach das machen konnte was er gerade wollte. Er wurde bekuschelt und beschmust, verwöhnt und verhätschelt und nach zwei Wochen geht es ihm jetzt zum Glück auch wieder so gut, dass er wieder von selber kommt und seine Hilfe anbietet. Darüber sind wir sehr dankbar und sind uns noch bewusster, was unser Hund alles für uns tut! Und auch ein Epihund muss regelmässig Ferien von der ganzen Verantwortung haben und den Kopf abschalten können! Das hat er auch, aber so ins Herz getroffen wie die letzten drei Wochen hat es ihn noch nie..

nkhbhy

 

 

Für seinen besten Freund hat Nikolaj darum für eine Weile den Spiess einfach mal herumgedreht, hat ihm geholfen sich wieder zu entspannen und war immer für ihn da..

denn unser Kalle ist ja auch nur ein Mensch!...

 

 

 

November/Dezember

mal wieder kurz vor Weihnachten und man wird völlig überrascht, dass es sich schon wieder so von hinten angschlichen hat ohne was zu sagen..

unser November war sehr anfallsreich durch Infekte, die ein Kleinkind halt so bekommt, bei uns aber immer wieder im Desaster endet und nur mit vielen Medikamenten und extra Portionen Betäubungsmittel in den Griff zu kriegen sind. Gegen die Infekte haben wir leider keine Chance. Leider Gottes muss Nikolaj sich da irgendwie durchboxen und wir können nur etwas für sein Immunsystem tun!

Wir haben aber freudige Nachrichten vom generellen Verlauf her und wir haben das was wir erreichen wollten, zum grossen Teil erreicht! unser Ziel vor zwei Jahren war, dass Nikolaj durch das Verhindern von Anfällen und die Reduktion von vielen Medikamenten es schaffen kann in den Regelkindergarten integriert zu werden. Leider ist er nicht ganz supermässig dabei in der Entwicklung, da sein Verlauf doch etwas komplizierter ist, als wir es uns gewünscht haben, aber die Schule Lufingen empfängt uns mit offenen Armen und ist in jeder Hinsicht bemüht dass wir weiterhin auf unserem Kurs bleiben können!

Ein grosser Teil der Anfälle hat sich verlagert! Seit wir vor 10 Wochen bei einem Homöopath waren, haben sich Nikolajs Anfälle, ausgelöst durch körperliche Anstrengung drastisch verbessert. Leider hat er nun viele Anfälle aus dem Schlaf heraus, da sich in seinem Gehirn epilepsiepotenzielle Herde befinden, die aktiv sind während bestimmten Schlafphasen.

Durch diesen Wechsel trat auch die Frage auf wie Kalle nun seinen Job machen soll, wenn er quasi nicht mehr "vorwarnen" kann, wenn der Kleine zu fest tobt. Aber wir haben uns ganz schön in unserem Hunderl getäuscht. Ihm war wohl schon seit Monaten bewusst, dass wenn er nachts im Zimmer umherwanderte, schon lange seinen Job tat. Durch dieses ständige "Unterbrechen" der Schlafphasen holte er Nikolaj aus den Potenzialen, die einen Anfall auslösen können, heraus. Dass es aktive Herde hat erfuhren wir erst später bei einer EEG Kontrolle.

Es ist wahnsinnig wie der Hund das macht! Wenn ich ihn einfach machen lasse, macht er automatisch die Dinge die wir brauchen, um geusnd zu bleiben (also vorallem den Zwerg)! Wenn ich Nikolaj mittags hinlege, scheint Kalle auch zu schlafen, aber innert 1,5 Stunden geht er mindestens dreimal hin und leckt ihn für ein paar Sekunden über das Gesicht. Scheinbar "ohne Grund". Legt sich dann wieder neben ihn und döst vermeintlich weiter. Die anfängliche Angst, dass Nikolaj dadurch aufwacht und erschrickt, wich dem Bewusstsein, dass Kalle ihn genau dann unterbricht, wenn die Herde aktiv sind. Nikolaj dreht sich kurz um, schläft weiter und krampft nicht.

Beweise haben wir natürlich wieder keine, aber für uns ist es offensichtlich genug, dass wenn Kalle nicht mit Nikolaj im Raum ist, er wenn er schläft sehr häufig krampft, andersherum aber nicht! Wir hoffen eines Tages die Beweise liefern zu können mittels Dauer- EEG und Überwachungskameras. Wir sind da mit dem Verein EpiDogs for Kids aktiv dran.

Etwas ganz tolles herziges ist noch mit Kalle passiert..

Nikolaj hatte einen Anfall als gerade sein Gotti zu Besuch war. Nachdem wir ihn medizinisch versorgt haben und er ruhig am Monitor hing und schlief, gingen wir in die Küche um uns was zum Essen zu holen. Unsere Küche ist offen und wir sahen dass Kalle wie immer im Kontakt bei Nikolaj auf dem Sofa lag. Als wir uns dazusetzten zog sich dann auch Kalle alsbald, um sich selbst auszuruhen, auf sein Hundekissen zurück.

Anna und ich sahen uns an und ich fragte sie als erstes, ob sie Nikolaj den Hundkong (Spielzeug) in die Hand gegeben hat, worauf sie verneinte und erwiderte dass sie mich eben das Selbe fragen wollte..

Als Schlussfolgerung bestand also nur dass Kalle ihm sein Spielzeug hingelegt haben muss, damit Nikolaj sich dran festhalten kann. Süss, nicht??

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